Samstag, Februar 19, 2005

Das Konzept des Ur-Bösen in 'Buffy, the Vampire Slayer'

FROM BENEATH YOU IT DEVOURS

Es gibt in 'Buffy, the Vampire Slayer' (BtVS) zahlreiche Inkarnationen des Bösen: Vampire, Dämonen, Hexen, Geister, Zombies sowie Menschen, die der dunklen Seite zugeneigt sind. Diese personifizieren das Böse in der Welt, das immer neben dem Guten existiert. Feindschaften, Geldsorgen, Lebenskrisen finden ihr Symbol in Dämonen und anderen Inkarnationen des Bösen. So sind denn auch immer persönliche Konflikte mit dem Kampf gegen das Böse verknüpft. Buffy ist eben nicht eine Serie, in der heute gegen diesen und morgen gegen jenen gekämpft wird. Daneben gibt es immer einen zweiten Erzählstrang, der das Leben der Protagonisten, ihr Weg zum Erwachsen-Sein schildert. Damit ist eine auf einer dualistischen Weltansicht basierende Philosophie repräsentiert, in der das Böse als Teil des Lebens akzeptiert wird.

In der siebenten und letzten Staffel tritt der Kampf zwischen Gut und Böse schließlich in sein Endstadium. Die Quelle alles Bösen in der Welt, das Ur-Böse, formiert sich um die Weltherrschaft anzutreten: "From beneath you it devours." Dieser Satz schlängelt sich als Grundmotiv durch die ganze Staffel. Der Plan: Zunächst diejenigen töten, die an erster Front gegen das Böse in all seinen Erscheinungen kämpfen. Das sind der Rat (Watcher's Council) und die dort angestellten Wächter der Jägerin-Anwärterinnen, also jene, die Buffy folgen sollen - schließlich kann es immer nur eine geben. Und zuletzt auch diese eine, Buffy selbst.

Das Ur-Böse ist also das BIG BAD der letzten Staffel. Allerdings war es schon einmal in Erscheinung getreten, ganz kurz in Staffel 3. Angel war von Buffy in die Hölle gestoßen wurden, doch das Ur-Böse schickte ihn zurück, um Buffy zu töten. Was er natürlich nicht tat, der Vampir mit der Seele und erste große Liebe Buffys. Dann deutet es sich am Ende der vierten Staffel erneut an, in Verbindung mit der ersten Jägerin. Tara, als Sprachform der ersten Jägerin, sagt zu Buffy: "You think you know. What to come, what you are. You haven't even begun." Dies deutet noch recht kryptisch auf etwas Kommendes hin. Tara sagt weiter: "I have no speech. No name. I live in the action of death. The blood cry. The penetrating wound. I am destruction. Absolute. Alone." Buffy wird klar, wer hier spricht: "The Slayer". "The First", erwidert Tara. Die Antwort lässt Fragen offen. Ist es die erste Jägerin, die spricht? Oder erscheint das Ur-Böse bereits hier, in der Form der ersten Jägerin, um sich anzukündigen? Ist nicht sogar die erste Jägerin, der ein Dämonenherz gegeben wurde, selbst Teil des Bösen und Buffy damit, als in der Tradition stehend, auch? Dann kämpft sie immer auch gegen sich selbst, gegen ihre inneren Dämonen, was die oben genannte Ansicht stützt.
Von nun an treten immer wieder vereinzelt prophetische Zeichen auf. In Folge 5 der fünften Staffel beispielsweise findet Buffy einen Stein, genannt 'Dagon Sphere'. Es wurde vor Jahrhunderten geformt um vor uraltem und uranfänglichem Bösen zu schützen. Es soll das abwehren "which cannot be named."

Wie sich in Staffel 7 herausstellt, und was Giles bereits Ende der vierten Staffel vermutete, ist die Jägerin selbst daran schuld, dass sich das Böse wieder Bahn brechen konnte. Wann war das passiert? War es ihr erster Tod am Ende der zweiten Staffel? Kaum vorstellbar, da sie von Xander mittels CPR, also ganz ohne mystische Einwirkung, zurückgeholt wurde. Aber da Kendra, Buffys Nachfolgerin, auftaucht und das Orakel 'Beljoxa's Eye' davon spricht, dass die Slayer-Line gestört wurde, muss es eigentlich Buffys erster Tod gewesen sein. Was auch erklärt, dass das Ur-Böse immer wieder sporadisch auftaucht. Oder ist dem Bösen das egal? War es nicht vielleicht doch die Magie Willows, die Buffy in ihrem Kampf unterstützt, wo sie eigentlich - der Tradition gemäß - allein kämpfen sollte? War es die davor erfolgte Verwandlung Buffys in einen Vampir, die wieder rückgängig gemacht wurde? Oder ist es der Tod am Ende der fünften Staffel, nachdem Willow sie mit Hilfe schwarzer Magie vom Himmel zur Erde zurückholte? Hat dies den Kreislauf gestört? Oder ist das Böse selbst, dass sich in Buffy verstärkt ausbreitet? Sie erlebt das Böse in Form des Leidens an der Welt, nachdem sie von ihren Freunden, die sie in der Hölle vermuteten, aus dem Himmel gerissen wurde. Ihr schien es zumindest, als wäre sie nach ihrem Tod im Himmel angekommen. Und nach ihrer Rückkehr ins Leben scheint ihr das Leben selbst die Hölle zu sein. Überall, wo sie hinguckt, ist Tod und Vernichtung. Hier findet sich eine der wenigen theologischen Aspekte in BtVS: Alles Gute kommt in dem Himmel. Buffy folgt einer strengen Hierarchie von Gut und Böse. Sie tötet keine Menschen, auch wenn sie Böses tun. Auch tötet sie keine Vampire, die eine Seele haben. Sie tötet nur seelenlose, damit gewissen- und skrupellose Gestalten, die ihren animalistischen Trieben und Instinkten folgen. Da sie in ihrer Funktion als Vampirjägerin nicht sündigt, bleibt ihr der Weg in den Himmel offen. Dort ist alles ruhig und beruhigend. Als sie unglücklicherweise von dort zurückgerufen wird, muss ihr das Leben auf der Erde zwangsläufig zur Hölle werden. Sie spricht von der Grelle der Lichter, dem Lärm und all dem Bösen, den Versuchungen, den Intrigen, den Streitigkeiten der Menschen. Das Böse muss also nicht immer nur konkret an einer Gestalt oder Person faßbar werden. Es kann sich auch in Form eines Zweifels an der Welt oder in der Angst vor der Zukunft ausdrücken. Der Nihilismus Nietzsches und der Kulturpessimismus Schopenhauers sind damit latent böse und genau diesem Bösen erliegt Buffy für einen Moment.

All das würde bedeuten, dass Buffy dem Bösen erneut Eintritt in die Welt gewährt, indem sie es zulässt, dass es sich in ihr selbst ausbreitet. Buffy, die Ikone im Kampf des Guten gegen das Böse, sieht das Böse selbst überall. Dies mag ihm die Legitimation geben, sich überall hin auszubreiten. Indem Buffy sich mit dem Bösen infiziert bzw. von ihm infiziert wird, ist die Macht des Guten gebrochen. Sie, the Chosen One, die Auserwählte, sieht die Sinnlosigkeit ihres Kampfes. Dieser Zustand dauert jedoch nicht an. Buffy wird im Lauf der sechsten Staffel wieder zu der Kämpferin, die sie war. Doch war es nicht dieser schwache Moment, dieser kurze Zeitraum, der genügt hat, damit sich das Ur-Böse wieder in die Welt setzen kann?

Wenn Buffy vom Himmel sagt "Time ... didn't mean anything ... nothing had form ..." dann deutet dies auf einen gemeinsamen Ursprung von Gut und Böse hin, da das Ur-Böse ebenfalls keine Form annehmen kann. Gut und Böse sind untrennbare Konzepte. Wo das eine ist, muss auch das andere sein. Zumal die theologische Personifikation des Bösen, Satan, der gefallene Engel ist. Er kommt also als Geschöpf Gottes aus dem Himmel, wie Gott selbst: Das personifizierte Gute, von dem man sich schließlich auch kein Abbild schaffen darf. Gott ist damit ebenso formlos wie das Ur-Böse hat aber immerhin einen Namen. Nicht zuletzt bleibt die Frage, ob Gott überhaupt das Ur-Gute sein kann. Darum geht es in Buffy jedoch nicht. Im Gegenteil, es scheint fast, als entspränge alles dem Bösen. Das Ur-Böse sagt schließlich, dass es existierte, bevor alles andere zu existieren begann. Es mag sein, dass es in seiner manipulativen Art die Sache zu seinem Vorteil auslegt. Die meisten religiösen Vorstellungen gehen von einem harmonischen Urzustand aus, der irgendwann in Gut und Böse zerfällt. Im Christentum ist das die Sünde, also die Erkenntnis von Gut und Böse. Das ist letztlich das erwachende Bewußtsein des Menschen, mit der die Frage nach Gut und Böse an moralische Vorstellungen geknüpft wird, denen nicht zuletzt auch Buffy unterliegt.

Offensichtlich war Buffy an dem Ort, wo der Ursprung von Gut und Böse liegt. So wie Gut und Böse zusammgehören, so auch das Leben und der Tod. Indem Buffy diese Regel bricht - oder vielmehr andere sie für sie brechen - ist das Gleichgewicht zwischen Gut und Böse zerstört.

Wie stellt sich das Ur-Böse in Buffy überhaupt dar? Wie gesagt, es kann keine körperliche Form annehmen. Aber es kann in Gestalt Toter erscheinen, sich deren Körper sozusagen aneignen. Deshalb bekommen in "Conversations with dead people" sowohl Willow, als auch Dawn und Andrew Besuch Verstorbener. Das Ur-Böse setzt sich in Szene. Der Kampf beginnt.
Die Methode des Ur-Bösen ist dabei immer gleich: Es will die Freunde gegeneinander aufbringen, ihre Hoffnungen zerstören, indem es ihre tiefsten Empfindungen anrührt. Im Falle Willows ist es die Liebe zu Tara, bei Dawn und Wood die Liebe zu ihrer Mutter, bei Faith die Vaterfigur des Mayor Wilkins und Andrew erscheint das Ur-Böse in Form von Warren, einer seiner besten Freunde, der ihn nun dazu bringt, seinen letzten besten Freund umzubringen. Es manipuliert seine Opfer, indem es Mißtrauen sät. So offenbart es Wood, dass Spike seine Mutter umgebracht hat, was ihn nach Rache lechzen lässt. Es sagt Dawn, dass Buffy sie opfern wird, wenn es darauf ankommt. Das Ur-Böse setzt also auf die negativen Charakterzüge der Menschen, die potentiell böse Taten und Gedanken auslösen: Neid, Trauer, Verlust, Rache, Versuchung, Gier, Eifersucht. Darauf folgen in der Regel unmoralische Handlungen, die den Handelnden ein Stück näher zum Bösen bringen bzw. zur Sünde, um in der christlichen Terminologie zu sprechen, die sich später bei Caleb findet.

Lange bevor es sich den Sterblichen offenbart, bemerken die Dämonen selbst, dass sich etwas zusammenbraut. Bereits in der ersten Folge der 7. Staffel sagt Halfrek zu Anya, dass alle Gestalten der Unterwelt spüren, dass sich etwas erheben wird. Etwas, dass ur-alt ist, älter als die Ältesten. Selbst den Dämonen und Vampiren ist es unheimlich, weshalb sie Anya dazu rät, lieber böse als gut zu sein. Sie soll ihre dämonischen Aktivitäten wiederaufnehmen, da alles Gute bald zerstört werden soll. Auch Willow hat eine Vision: Sie sieht die Zähne des Höllenschlunds, der aufreißt und sie alle verschlingen wird bis nur noch tiefschwarze Dunkelheit übrigbleibt. Die Dunkelheit ist traditionell Wirkungsort des Bösen, weshalb Vampire und Dämonen vorwiegend nachts aktiv sind. Dies ist letztlich das Prinzip der 'verkehrten Welt' wie sie heute noch im Karneval tradiert wird. Sehr schnell bricht in Sunnydale Chaos aus, welches immer eine Begleiterscheinung des Bösen ist.

Die 7. Staffel wird gar von dem Ur-Bösen eröffnet. Die erste Szene zeigt ein Mädchen, das von dämonischen Gestalten getötet wird. Wie sich herausstellt sind diese Killer die sogenannten 'Bringers' bzw. 'Harbringers', Soldaten des Ur-Bösen. Ihr Auftrag ist es, alle potentiellen Nachfolgerinnen Buffys umzubringen, so dass die Erblinie der Vampirjägerinnen zerstört ist. Am Ende steht natürlich der Mord an Buffy selbst. Zuvor zerstören die Bringer noch den Council in England und töten alle darin sich aufhaltenden Wächter. Giles entkommt diesem Tod und rettet noch ein paar Akten, die einige der wenigen Informationen über das Ur-Böse enthalten.

Wie wird das Ur-Böse nun charakterisiert? Zunächst ist es alt, sehr alt. Es ist die Quelle des Bösen, das, was da war, bevor alles andere kam. Das, was dieses andere erschaffen hat. So alt, dass es keinen menschlichen Ausdruck gibt, der es passend charakterisiert. Es sagt von sich selbst: "I honestly don't think there's a human word fabulous enough for me." Das Ur-Böse ist also unsagbar. Das Unsagbare ist eine ästhetische Kategorie, das seine vollste Entfaltung in der Mystik findet. Die vom Mystiker angestrebte Vereinigung mit Gott, oder die in einer gottlosen Mystik vor sich gehende Vereinigung des Menschen mit seiner Umgebung, das Verschmelzen von Ich und Welt, von Raum und Zeit, führt zu einer Transzendenz, die die Sprache nicht mehr fassen kann. Dieses Erlebnis ist unsagbar. Dass es sich beim Ur-Bösen um ein die Verkörperung einer solchen transzendentalen Idee handelt, darauf verweist die eigentliche Unkörperlichkeit des Ur-Bösen sowie die oben geschilderte Erlebnisweise Buffys während ihres Todes.

Das Ur-Böse ist aber nicht nur alt. Es ist auch "big, ugly and damned", "ancient and enormous" und "It's everywhere. It's pure." Zu allem Überfluß kann es nicht getötet werden. Und es hat auch einige Sachen im Gepäck: "death and screaming, horror and bloodshed." Zugegeben, die Informationen sind dünn, aber das Ur-Böse "predates any written history." Und die Tatsache, dass es sich nicht in seiner Ur-Form zeigen kann, weil es schließlich keine hat, macht es nicht unbedingt leichter, Informationen zu sammeln. Es erscheint zwar im Körper von Toten, doch kann man durch diese quasi hindurchgehen. Es ist nur visuell und akustisch fassbar, nicht aber haptisch. Deswegen kann es selbst auch nicht kämpfen. Wir wissen auch, wohin das Ur-Böse will: "Right back to the beginning. Not the Bang, not the Word. The true beginning." Wie dieser Urzustand konkret aussah, wird leider nicht näher ausgeführt. Lediglich die Begegnung Buffys mit der ersten Jägerin und ihre Reise in die Wüste zu den Männern, die die erste Jägerin erschaffen haben, geben eine Orientierung. Diese Männer wollen Buffy dämonisieren, wie sie es mit der ersten Jägerin getan haben, damit sie für die letzte Schlacht gewappnet ist. Doch Buffy lehnt dies ab.

Das Ur-Böse baut eine Armee um sich auf, mit der der Kampf gegen das Gute gewonnen werden soll. Teile seiner Armee sind die Bringer aber auch die 'Turok-Han', Ur-Vampire - primitiv, aber sehr stark, quasi das, was die Neanderthalen für die Menschen sind - vor denen sogar die heutigen Vampire Angst haben. Die Turok-Han schmieden unter der Aufsicht des Priesters Caleb Waffen für den kommenden Kampf. Caleb ist wohl einer der härtesten Gegner, denen Buffy je gegenüberstand. Das Ur-Böse kann in ihm sogar körperliche Form annehmen. Dies macht ihn sehr stark, so dass Buffy lange Zeit gegen ihn zu kämpfen hat, bevor sie ihn endgültig vernichten kann. Das Ur-Böse prophezeit, dass es sich in jedem Menschen so ausbreiten kann wie in Caleb, wenn der Kampf erst einmal gewonnen ist. Dann, wenn es weniger Menschen als Kämpfer der Armee der Finsternis gibt, erst dann kann das Ur-Böse zu Fleisch und Blut werden.

Wieso hat sich das Ur-Böse gerade Caleb ausgesucht, es auf Erden zu vertreten? Nun, Caleb ist fasziniert von der Sünde, womit der christliche Kontext erneut aufgegriffen und sogleich ironisch überspitzt und infolgedessen als überholt dargestellt wird. Die Sünde personifiziert für ihn das Böse auf Erden, denn durch sie kam das Böse erst auf die Welt. Und sie verführt die schwachen Wesen dieser Welt, die Frauen, immer wieder ihr zu folgen. Zuerst Eva und danach alle anderen, weshalb Caleb von Frauen immer nur als 'whores' spricht. Vermutlich ist es diese metaphysische Auffassung von Frauen als dem Bösen schlechthin, der ihn prädestiniert, gegen Buffy und ihre potentiellen Nachfolgerinnen zu kämpfen.
Caleb hält auch eine Art Sense oder Axt versteckt, die vor Jahrhunderten von weisen Frauen, den sogenannten 'Guardians', die die Jägerinnen und ihre Wächter beobachten, geschmiedet worden war. Diese Sense ist dazu bestimmt, den "last pure demon that walked upon the earth" zu töten. Das ganze funktioniert ähnlich wie bei Arthus und Exkalibur, d. h., nur Buffy kann die Sense ihrer Verankerung entreißen.

Das Ur-Böse will auch Spike, der andere Vampir mit einer Seele, der an Buffys Seite kämpft, auf seine Seite ziehen. Es manipuliert seinen Chip (1), treibt ihn so fast in den Wahnsinn, entführt und foltert ihn. Es benutzt sein Blut, um den Höllenschlund zu öffnen. Es will ihn dazu verführen, zurück auf die Seite des Bösen zu gehen. Doch Spike bleibt standhaft, denn er glaubt an Buffy und dass sie ihn retten wird. Was sie auch tut. Letztendlich wird es Spike sein, der dem Ur-Bösen den ultimativen Stoß versetzt - und er wird selbst dabei sterben. Er stirbt als Märtyrer, was ihm nicht schwer fällt, da seine bedingungslose Liebe zu Buffy nicht erwidert wird.

Auch Buffy stellt eine Armee auf. Sie lässt Willow ihre Hexenkräfte nutzen, die fast einmal die Welt zerstört hätte. Willow überträgt die Kräfte und die Macht Buffys auf alle Anwärterinnen. Sie bricht mit der ebenfalls uralten Tradition, dass es nur eine Auserwählte geben darf. Dieser Akt demonstriert die wahre Kraft Buffys sehr schön. Sie lässt nicht zu, dass sie in überkommenen Konventionen erstarrt, sondern bricht mit diesen. Wenn sie die Auserwählte ist, sollte sie schließlich auch das Recht haben, die Regeln zu verändern, wenn es notwendig ist. Sie passt sich dem Wandel der Zeit an. Nichts muss schließlich so bleiben, wie es war, nur weil es immer so war. Dies ist wahrhaft schöpferische Kraft, wie sie nur Helden zeigen.
Der Bruch mit überholten Konventionen und nicht länger haltbaren Regeln ist ein häufig auftauchendes Motiv in BtVS. Ein solcher Bruch kann schnell zum Tabubruch werden, da die Handlungsschemata in BtVS teilweise seit Jahrhunderten bestehen. Solche Grenzüberschreitungen werden schnell als böse und unmoralisch gewertet, zumindest von konservativen Köpfen. Es ist aber ein sehr schönes Stilmittel, um auf den gesellschaftlichen Wandel hinzuweisen. Es beweist Flexibilität, Einfallsreichtum, geistige Regsamkeit und den Mut, Neues zu probieren. Die Gefahr des Todes besteht in BtVS ohnehin immer.

Doch trotz gewonnenen Kampfes ist das Ur-Böse nicht vernichtet. Es ist ein Ewiges. Nachdem das Gleichgewicht zwischen Gut und Böse nun wiederhergestellt ist, ist der Kampf nur vorerst beendet.

(1) Der Chip wurde Spike von der Initiative eingesetzt, einer Geheimorganisation der Regierung zur Erforschung dämonischen Verhaltens und dessen eventueller Nutzung innerhalb militärischer Operationen. Der Chip verhindert, dass Spike Menschen beißen kann. Er ist somit - zumindest für Menschen - ungefährlich.

What's To Come

Diese Playlist kreist thematisch um den Teufel aka Satan aka Lucifer. Sie dient zugleich als Einstimmung auf den demnächst hier veröffentlichten Text, der sich nicht mit dem Bösen, sondern mit dem Ur-Bösen beschäftigen wird.

1. "The Devils Work Day" (Modest Mouse)
2. "Satan's Bed" (Pearl Jam)
3. "Father Lucifer" (Tori Amos)
4. "Devil and the Angel" (Malcolm Middleton)
5. "White Devil's Dream" (Quasi)
6. "Another Devil Dies" (Badly Drawn Boy)
7. "Son of Satan (I Know I Am The)" (VI Foot Slough)
8. "Better the Devil You Know" (Kylie Minogue)
9. "Satan is Boring" (Sonic Youth)
10. "Devils Haircut" (Beck)
11. "Bicycling with the Devil" (Scissor Sisters)
12. "Bugs Got a Devilish Grin Conga" (Clint Mansell & Kronos Quartet)
13. "Devil City Destiny" (The Halo Benders)
14. "Blue-Eyed Devil" (Low)

Mittwoch, Februar 09, 2005

VERKEHRTE WELT

Es ist Karneval in Deutschland, zumindest im Süden. Aufgrund der uns umgebenden Mediengesellschaft kann man dem aber auch hier im Norden nicht so recht entgehen. Er wird uns zumindest in Erinnerung gerufen.
Interessant am Karneval ist jedoch sein kulturgeschichtlicher Hintergrund. Es gab derartige Feste bereits in der Frühzeit, doch im Mittelalter kam erstmals der kirchliche Aspekt hinzu, ausgehend vom Katholizismus. Dies ist der Grund, weshalb im protestantischen Norden kein Karneval gefeiert wird.

Die Fastnacht ist die Zeit vor dem Fasten. Hier werden die sieben Todsünden ausgekostet. Dahinter steckt wie beim Totentanz-Motiv ein Kalkül der Kirche zur Erinnerung an das "memento mori". Dieses basiert auf der dualistischen Weltauffassung, dass dem Himmels die Hölle entgegensteht. Dem Menschen wird die Möglichkeit gegeben, sich für kurze Zeit zu maskieren und sich so anonym den üblicherweise verdammten Sünden hinzugeben. Es ist die Zeit der "verkehrten Welt". Das Reich des Teufels regiert mit Dämonen, Hexen und Magiern. Später tritt der heute im Mittelpunkt stehende Narr in Erscheinung. Gerade das schützende Maskiertsein, die Anonymität, verlockt zur Ausübung von sonst tabuisierten Akten. Damit kommt dem Karneval eine Ventilfunktion zu: Unterdrückte Gefühle können freigelassen werden. Was bleibt sind Gefühle der Scham und der Reue aufgrund der begangenen Sünden. Vergessen wir nicht, dies war im Mittelalter; die Menschen waren noch fromm. Für viele Dinge gab es keine rationalen Erklärungen wie heute. Damit konnte die Kirche die Gläubigen bannen. Betont wird damit schließlich das Bewusstwerden der Vergänglichkeit, sowohl des Lebens als auch der irdischen Güter. Wer sündigt, erlangt zwar kurzweilige Genüsse, dem folgt aber auch ewige Verdammnis.

In vorchristlicher Zeit, z.B. bei den Griechen, den Römern, den Ägyptern und den Kelten war der Karneval in erster Linie ein Frühlingsfest, das den Winter verabschiedete. Bereits damals waren die Masken ein wichtiger Bestandteil des Festes, innerhalb dessen Rituale vollzogen und den Göttern geopfert wurde. Letztlich wird also auch hier wieder Bezug auf eine Gegenwelt genommen. Das Böse ist dabei der Winter mit seiner Unfruchtbarkeit, Kälte und Dunkelheit. Diesen bösen Geistern stehen die fruchtbaren und lebhaften des Frühlings gegenüber.

Heute ist Karneval hauptsächlich Ausschweifung. Ein Fest, das man feiert, weil es eben da ist. Es weist jedoch in der Maskierung noch immer auf die Unterwelt hin. Die hat übrigens bevorzugte Musikinstrumente: Geigen, Trommeln und Pauken. Zum Schluss also hier noch etwas Musik, die den bösen und dunklen Gestalten der anderen Welt gewidmet ist:

1. "Main Theme" (John Carpenter's Vampires)
2. "The Magician" (Kate Bush)
3. "The World is a Vampire" (Smashing Pumpkins)
4. "The Gypsy He-Witch" (Amalgamated Sons of Rest)
5. "Monstertruckdriver" (T.Raumschmiere)
6. "Sometimes I Feel Like a Vampire" (Lowercase)
7. "TV Zombie" (The Rondelles)
8. "Season of the Witch" (Hole)
9. "I See Monsters" (Ryan Adams)
10. "The Magician" (Clinic)
11. "Monsters in the Parasol" (Queens of the Stone Age)
12. "Waking the Witch" (Kate Bush)
13. "Music for Vampires" (Dead Can Dance)
14. "Electric Demons in Love" (Electric Six)
15. "Waking the Witch" (Kate Bush)