Achtung: Dieser Text setzt eine gewisse Kenntnis der Serie 'Buffy, the Vampire Slayer' (BtVS) voraus. Bei Nichtkenntnis kann es aufgrund der nichtlinearen Struktur zu Verständnisproblemen kommen.
Die zweite Staffel zeigt zunächst eine niedergeschlagene Buffy. Sie ist in sich gekehrt, unnahbar. Den Sommer verbrachte sie bei ihrem Vater, nachdem sie den Kampf gegen den Master fast verloren hätte, immerhin war sie einige Minuten lang tot. Ihr Vater beklagt: »The more time we spent together, the more I felt like she was nowhere to be seen.« Und auch Joyce sagt: »I haven't been able to get through to her for so long.« Buffy wird sich zunehmend ihrer Isolation bewusst. Sie ist 'the Chosen One', sie kämpft allein und das treibt sie zunehmend in die Einsamkeit. Sie ist sich ihrer Ohnmacht demgegenüber bewusst und es war wohl der kurze Moment des Todes, der ihr verdeutlicht hat, dass es kein Zurück gibt. Sie kann nur kämpfen, und auch dort droht ihr konstant der Tod. Diese Erkenntnis führt sie zunächst in einen Zustand der Verzweiflung, ausgelöst von der Erkenntnis, keine Wahl zu haben. Ihr Weg ist vorgezeichnet. Das Slayer-Dasein ist ihr Schicksal.
»It doesn't matter what I want
It doesn't matter what I need
It doesn't matter if I cry
Don't matter if I bleed
You've been on a road
Don't know where it goes
or where it leads.«
(Alison Krauss - It Doesn't Matter; 2x01 When She was Bad)
Auch Willow und Xander bemerken die Veränderung. Willow: »She's never been mean.« Und hier ist das kleine Wörtchen »mean«, böse. Es mag sein, dass Buffy lediglich in eine Depression verfallen ist und jeden und alles um sich verabscheut. Doch wurde sie auch vom Master gebissen, kurz vor ihrem Tod. Hat er sie vielleicht mit dem Bösen infiziert? Buffy kämpft dagegen, erfolgreich, wie sich herausstellen wird. Doch es tritt immer wieder in Erscheinung, so dass darauf zurückzukommen sein wird.
Buffy verfällt zunächst in einen isolierten Größenwahn: Sie entzieht sich ihrer Mutter, ihren Freunden und auch Angel. Sie verletzt sie mit ihren Worten und Handlungen: »Look, this is Slayer stuff. Could we have a little less from the civilians, please?« Sie fühlt sich überlegen, auch Angel gegenüber: »There's no 'us'. Look, Angel, I'm sorry if I was supposed to spend the summer mooning over you, but I didn't. I moved on. To the living.« Hinter dieser Veränderung steht nicht zuletzt der eigene Kampf ums Überleben nach der Erfahrung des Todes. Immer wieder bekommt sie zu hören, sie sei die Auserwählte, die Einzige, die allein kämpft. Doch kämpft sie nie allein. Sie hat Freunde, die sie unterstützen. Doch muss sie diese auch schützen und das scheint das Problem zu sein, denn es nimmt ihr Energie, die an anderer Stelle fehlt. Mit dieser Strategie der Einzelkämpferin bringt sie ihre Freunde jedoch schnell in große Gefahr. Sie missachtet die Ratschläge von Giles und Willow, die tendenziell den Geist im Kampf gegen das Böse darstellen. So merkt sie schnell, dass sie im Team doch stärker ist als allein auf sich gestellt - auch wenn das der Tradition widerspricht. Der Vorteil daran ist, dass es ihre Feinde irritiert. Spike: »A Slayer with family and friends. That sure as hell wasn't in the brochure.« Die Krise ist zwar kurz, aber wesentlich für den weiteren Verlauf der Serie. Denn trotz der Freunde, bleibt Buffy die Auserwählte und die Kämpferin. Das Böse und das Dunkle bleibt auf ihrer Seite. Drusilla, die Seherin, sagt: »I can't see her. The Slayer. I can't see her. It's dark where she is.«
Buffy ist noch im Prozeß, sich in ihre Rolle als Auserwählte einzufinden. Dazu kommt der Prozeß des Erwachsenwerdens.
Buffy: »Nothing's ever simple anymore. I'm
constantly trying to work it out.
Who to love or hate. Who to trust. It's
just like, the more I know, the more
confused I get. .... Does it ever get easy?«
Giles: »You mean life? ...What do you want me to say?«
Buffy: »Lie to me.«
Giles: »Yes, it's terribly simple.«
Doch es kommt zu Begegnungen, die es Buffy leichter machen, mit der Situation umzugehen. Sie trifft auf Andere, denen es ähnlich geht. Zum Beispiel Ampata, ein mumifiziertes Inka-Mädchen. Ampata wurde vor 500 Jahren zur Prinzessin ihres Volkes erhoben und dann dem Berggott Sebancaya geopfert. Sie wurde lebendig begraben um ihr Volk vor der Unterwelt zu schützen. Ein Siegel schützt sie, welches nun aber durchbrochen wurde. Dadurch ist Ampata zum Leben erweckt worden, muss nun jedoch unschuldigen Menschen das Leben nehmen, um selbst weiter leben zu können. Im Gespräch mit Buffy sagt Ampata, die ihre wahre Identität - wie Buffy auch - geheim hält, von sich:
Ampata: »Out of all the girls in her
generation she was the only one.«
Buffy: »Chosen«
Ampata: »Do you know the story?«
Buffy: »It's fairly familiar.«
Ampata: »She was 16, like us. She was offered
as a sacrifice and went to her death.
Who knows what she had to give up to
fulfill her duty to others? What chance
at love?«
Nun erfährt Buffy, dass sie doch nicht so allein ist. Immerhin gibt es ähnliche Schicksale wie ihres. Und es gibt immer einen Grund: mit ihrer Bestimmung retten sie andere. Ein weiterer Grund von Buffys desolatem Zustand ist hier bereits angesprochen: die unerfüllte Liebe zu Angel. Sie wollen zusammen sein und können es doch nicht. Angel: »This could get outta control.« Buffy: »Isn't that the way it's supposed to be?« Es ist offensichtlich, dass die beiden auf eine Katastrophe zurasen. Drusilla spürt die Liebe in Angel: »Your heart stinks of her. Poor little thing. She has no idea what's in store.« Schließlich geben Buffy und Angel ihrer Liebe nach und schlafen miteinander. Die Katastrophe ist da: Angel verliert seine Seele nach diesem »moment of true happiness, of contentment, one moment where the soul ... restored no longer plagues his thoughts« und wird erneut zu Angelus. Das ganze passiert zu einem denkbar ungünstigen Zeitpunkt. Drusilla und Spike sind gerade dabei, den 'Judge' wiederaufleben zu lassen. Anläßlich dessen geben sie eine Party, »the best party ever«, wie Drusilla so schön sagt, denn »It will be the last.« Es droht mal wieder die Apokalypse.
»His touch can literally burn the humanity out of
you. A true creature of evil can survive the process.
A human never has.
...
The stronger he gets, he'll be able to reduce us to
charcoal with a look.«
Der Judge kann nicht getötet werden, eine ganze Armee vermochte es lediglich, ihn in Einzelteile zu zerlegen und diese über den Erdball zu verstreuen. Drusilla, verrückt wie sie ist, hat diese nun eingesammelt, um diesen Dämon, der »brought forth to rid the Earth of the plague of humanity ... separate the righteous from the wicked ... And to burn the righteous down« wieder zum Leben erwecken. Buffy steht zunächst vor dem Problem, dass er von keiner Waffe getötet werden kann. Allerdings beruht diese Regel auf einer längst vergangenen Zeit und Xander kommt mit der smarten Idee auf, einen modernen Flammenwerfer zu benutzen, was sich als äußerst effektiv herausstellt. Wie Buffy so schön sagt: »That was then. This is now.«
Um noch einmal auf Angelus zurückzukommen, er will nun Rache an Buffy. Angelus liebt es seine Opfer seelisch zu foltern, so wie er es mit Drusilla getan hat, bevor er sie biß. Er tötete erst ihre Familie und trieb sie dann in den Wahnsinn. Ähnliches hat er nun mit Buffy vor. Er bedroht Xander, Willow und Joyce, foltert Giles und tötet Jenny. Diese gehört zu einem Zigeuner-Clan, der Angel zum Opfer fiel und ihn daraufhin mit der Seele bestrafte. Der Clan hatte mitbekommen, dass es Angel besser ging, seit er Buffy kannte. Deshalb wurde Jenny nach Sunnydale geschickt, um die beiden von einander fern zu halten. Jenny konnte die Ereignisse jedoch nicht aufhalten und versuchte anschließend, Angelus seine Seele wiederzugeben. Doch dann tötet Angelus sie, und arrangiert ihren Tod in der für ihn so typischen qualvollen Weise: Als Giles nach Hause kommt hört er klassische Musik in seiner Wohnung, sieht Kerzen und Rosen, Champagner und Gläser. Er geht erwartungsvoll und hinauf und sieht Jennys Leiche auf seinem Bett. Angelus manipuliert Menschen, ihre Gefühle und Leidenschaften, auf perfide Art und Weise. Er liebt die geistige Folter. Angelus kann sein wiedergewonnenes, seelenloses Leben jedoch nicht lange genießen. Willow und Buffy finden bald den Zauberspruch Jennys, wiederholen das Ritual und holen Angel damit zurück. Willow, die das Ritual durchführt, begibt sich damit auf den Pfad der schwarzen Magie. Sie beschäftigt sich bereits seit einiger Zeit mit Magie und Hexerei, meist ungefährliche Dinge. Giles warnt sie vor dem Weg, den sie einschlägt, und das aus gutem Grund, wie sich später herausstellen wird: »Willow, channeling such potent magicks through yourself, it could open a door that you may not be able to close.« Im Nachhinein, also nach Ende der Serie, stellt sich erst die große Intertextualität, das Vor- und Rückgreifen heraus. Das bezieht sich auf große und kleine Handlungsstränge und trägt viel zum Phänomen von BtVS bei.
Während Willow das Ritual durchführt, unterstützt Spike Buffy dabei, Angelus zu töten. Denn der geht ihm schnell auf die Nerven, nicht zuletzt weil er sich schamlos an Drusilla ranmacht. Zudem kann Spike Angelus' Spielchen nicht nachvollziehen, er ist mehr der Hau-Drauf-Typ. Spike zu Angelus:
»If you ask me, I find myself preferring the
old Buffy-whipped Angelus. This new, improved
one is not playing with a full sack. I love a good
slaughter as much as the next bloke, but his little
pranks will only leave us with one incredibly
brassed-off Slayer!«
Liebe ist auch das Thema von "Some Assembly Required". Chris hat zunächst seinen toten Bruder ins Leben zurückgeholt, was man ihm jedoch auch ansieht. Zudem hat er ihm versprochen, eine Freundin für ihn zu 'basteln'. Chris sammelt Leichenteile jüngst verstorbener Mädchen ein, um daraus das perfekte Mädchen zu machen.
Buffy dazu: »I don't get it. Why would
anybody make a girl?«
Xander: »You mean when there's so many
pre-made ones just laying around?
The things we do for love.«
Buffy: »Love has nothing to do with this.«
Xander: »People want the dream. What they
can't have. The more unattainable,
the more attractive.«
Es geht um das Ideal der Liebe, die Sehnsucht nach dem Lieben und Geliebtwerden, den Traum der großen Liebe und darum, was Menschen tun, um diese Liebe zu gewinnen. Das Thema taucht später wieder auf, bei Warren, der sich seine Traumfrau als Roboter zusammenbaut. Auch bei Willow, die ihren Traumpartner online im Chat findet und damit in große Gefahr gerät. Es geht hier auch um moralische Werte und bewusstes Handeln, denn Liebe macht blind. Chris liebt seinen Bruder, er würde alles für ihn tun, aber es gibt nun mal Dinge, die tut man einfach nicht. Wie z.B. Menschen, die zwar tot sind, für persönliche Vorteile in Stücke zu zerteilen und ihnen so ein würdiges Begräbnis verweigern. Dies demonstriert exakt die Struktur von BtVS: Die Welt der Dämonen kann nur als Parabel für das Leben selbst gesehen werden, für die Probleme und Phasen, die man durchläuft. In Kombination damit werden im Alltagsleben der Protagonisten die gängigen Werte und Konventionen dargestellt und zwar nicht notwendig die typisch amerikanischen Werte; BtVS kann durchaus kritisch sein. Die Thematik von Kirche und Gott wird beispielsweise komplett ausgeklammert, was in einer Sendung, die von Dämonen und den Kräften des Bösen getragen wird durchaus bemerkenswert ist.
Da wir gerade beim Bösen sind. Die zweite Staffel bringt ein neues BIG BAD mit sich: Die Vampire Spike aka 'William the Bloody' & Drusilla, die sofort mit Collin und den anderen Hinterbliebenen des Master paktieren. Drusilla sieht mit ihren hellseherischen Fähigkeiten das Misstrauen, dass Colin Spike entgegenbringt. Doch Sunnydale ist die einzige Möglichkeit, denn Drusilla ist krank und nur der Hellmouth hat die Energie, sie am Leben zu halten bis eine Lösung gefunden ist. Ihr Aufenthalt wird damit zu einer Art Kur. Spike verfolgt nur ein Ziel: Er will Buffy töten: »She's the gnat in my ear! The gristle in my teeth! She's the bloody thorn in my BLOODY SIDE!« Und ausgerechnet Ford, ein alter Schulfreund von Buffy, will ihm dazu eine Chance bieten. Ford ist Teil der 'Lonely Ones', Menschen, die unsterblich werden wollen, indem sie sich von Vampiren beißen lassen. Fords Motivation dazu ist ein Gehirntumor. Wenn Spike ihn zum Vampir mache, locke er Buffy in eine Falle. Spike linkt ihn natürlich und Fords Traum »to do the two things every American teen should have the chance to do: die young, and stay pretty.« scheitert kläglich.
Dass Spike Buffy töten will liegt zunächst daran, dass sie immer im Weg zu sein scheint, egal was er gerade macht. Als er ein Mittel findet, Drusilla zu heilen, schickt er die 'Order of Taraka' aus, Buffy zu töten. Das sind Killer, die unabhängig voneinander arbeiten, bis sie ihr Opfer umgebracht haben. Solange Buffy mit ihnen beschäftigt ist, kann Spike das Ritual ausführen, um Drusilla zu heilen. Dieses ist ein heikles denn 1) weiss niemand, was mit Drusilla passiert wenn sie ganz gesundet, schließlich war sie bislang leicht geistesgestört und 2) ist das Ritual an sich gefährlich. Es ruft Elinor hervor, »Bringer of war, poisoners, pariahs, grand obscenity .... wretched master of decay.« Natürlich wird auch diese Apokalypse verhindert.
Wie oben bereits erwähnt wurde, schlägt sich Spike schließlich auf Buffys Seite, um gemeinsam gegen Angelus zu kämpfen. Er tut das alles, um Drusilla zu retten, denn Angelus übt einen denkbar schlechten Einfluss auf sie aus. Angelus will zwingend Buffy töten und Drusilla unterstützt ihn dabei, ja, sie will sogar die ganze Welt zerstören. Das ist Spike alles ein bisschen zuviel. Er kooperiert mit Buffy.
Spike: »Hey! White flag here.
I want to stop Angel. I want to save the world.«
Buffy: »Okay. You do remember that you're a vampire. Right?«
Spike: »We like to talk big. Vampires do. 'I'm going to destroy
the world.' That's just tough guy talk. ... The truth is, I
like this world. You've got dog racing, Manchester United.
And you've got people. Billions of people walking around like
Happy Meals with legs. It's all right here. But then someone
has a vision. With a real passion for destruction. Angel
could pull it off. Goodbye, Picadilly. Farewell, Leicester
Bloody Square. You know what I'm saying?
...
I want Dru back. I want it like it was before he
came back. The way she acts around him ...I can't
fight them both alone, and neither can you!«
Wir sind hier am Ende der Staffel angelangt. Die Apokalypse droht erneut, denn Angelus und Dru wollen Acathla wiedererwecken. »Acathla the demon came forth to swallow the world.« Giles erklärt das bildlicher. Acathla komme aus einer Dämonen-Dimension. Momentan ist er in einem Obelisken versteinert gefangen, doch Angelus, Drusilla und Spike haben diesen Obelisken. Wenn sie ihn mittels eines Rituals wiedererwecken, passiert folgendes:
»Acathla will create a vortex, a kind of whirlpool that
will pull everything on Earth into that dimension, where
non-demon life will suffer horrible and eternal torment.«
Dieser Dämon ist so gefährlich, dass Kendra wieder auftaucht um Buffy im Kampf zu unterstützen. Allerdings wird sie recht schnell von Drusilla getötet.
Auch tritt hier eine neue mysteriöse Gestalt auf, Whistler. Er hatte Angel vor einigen Jahren gefunden, wie er seit nunmehr 90 Jahren auf der Straße lebte, seit dem verhängnisvollen Fluch. Er ist ein Dämon, jedoch gut. Es hat den Anschein, als arbeite er für die Mächte der Ewigkeit, das sind die Guten, die in der Serie 'Angel' eine stärkere Rolle spielen als hier. Whistler fährt mit Angel an die Schule Buffys und sie beobachten wie ihr erster Watcher auf sie zutritt und ihr ihr Schicksal enthüllt. Angel fasst den Entschluss etwas aus seinem miserablen Leben zu machen und Buffy in ihrem Kampf zu helfen. Dies erklärt seine Anwesenheit von Anfang an. Er kämpft somit offiziell auf der Seite der Guten. Da Angel die Seite gewechselt hat, ist Whistler nun persönlich nach Sunnydale gekommen, um Buffy, wenn auch auf äußerst kryptischer Weise, zu helfen.
Es tauchen weitere Bösewichte auf. Einige von ihnen werden wieder auftauchen. Ethan Rayne zum Beispiel. Er ist ein Jugendfreund von Giles und lässt erahnen, dass Giles? Jugend anders gestaltet war als sein jetztiges Leben. Ethan: »Hello, Ripper. .... I know who you are, Rupert, and I know what you're capable of. But they don't, do they? They have no idea where you come from.« Ethan sorgt für außerordentliche Verwirrung an Halloween, wenn er den Gott Janus beschwört. Alle Kostüme werden real. Willow, die sich in ihrer Angst aufzufallen als Gespenst verkleidet hat, wird ebendieses. Xander, der seine Männlichkeit betonen will, wird zum Soldaten. Und Buffy trägt das Kleid einer Dame des 18. Jahrhunderts und verliert damit all ihre Kräfte. Dass sie dieses Kostüm wählte liegt übrigens nur daran, dass sie ein Bildnis von Darla gefunden hat und damit wohl Angel gefallen wollte.
Eine weitere, sporadisch auftretende Gruppe sind die, eher weltlichen, Fraternity Boys. In dieser Staffel sind es die Delta Zeta Kappas, die alle zehn Monate plus zehn Tage ihrem Reptildämon Machida opfern müssen. Das Opfer ist ein Mädchen und im Austausch bekommen sie Reichtum und Macht geschenkt. Diese Tradition besteht mittlerweile seit circa 50 Jahren wie die Knochenfunde im Keller des Hauses der Brüderschaft zeigen. Dies ist eine sehr schöne Parabel des skrupellosen Strebens nach Reichtum, Macht und Anerkennung.
Doch auch andere haben Leichen im Keller. Nehmen wir Ted, den Mann, den Joyce kennengelernt hat. Ted ist ein Roboter, was man ihm äußerlich nicht ansieht aber anhand seiner Äußerungen (»I'm not wired that way.«) durchaus erahnen kann. Buffy misstraut ihm von Anfang an, was daran liegen dürfte, dass Ted sich sofort in eine doktrinäre Vaterrolle einfügt. Als er dann auch noch in ihren Sachen rumschnüffelt und ihr Tagebuch liest, hat Buffy endgültig genug. Er droht ihr gar, sie aufgrund ihrer Slayer-Illusionen in ein Sanatorium einliefern zu lassen, falls sie sich gegen ihn stellt. Dieses Motiv wird in einer späteren Staffel erneut aufgegriffen und führt zu einer der besten Folgen. Xander und Willow finden schließlich vier tote Ehefrauen in Teds Schrank. Offensichtlich hat sich Ted selbst als Roboter nachgebaut, um auch nach seinem Tod bei seiner Frau bleiben zu können. Als diese dann gestorben war, holte er sich eine neue, die ihr ähnlich war. So ist auch dieser Roboter durch Sehnsucht nach Liebe entstanden.
Dann ist da noch Principal Snyder, der mit dem Bürgermeister kooperiert über dessen Rolle wir jedoch in der nächsten Staffel aufgeklärt werden. Snyder's Job ist es dafür zu sorgen, dass die Schüler ruhig bleiben und kein Chaos ausbricht. Und er trägt seine Verachtung für die Kids offen zur Schau, wie die folgenden Zitate zeigen.
»their relentless, pointless desire to exist.«
(über die Schüler von Sunnydale High)
»It's worth nothing, Harris. Whatever comes out of your
mouth is a meaningless waste of breath. An airborne
toxic event.« (zu Xander)
Principal Snyder zwingt Willow auch dazu, einem Schulschwimmer gute Noten zu geben, um ihn im Team zu halten. Diese Folge kritisiert auf ironische Art das fragwürdige Durchschleusen von schlechten Schülern, die jedoch gute Sportler sind und dadurch der Schule zu mehr Prestige verhelfen. Dies ist eine allgemeine Praxis in den demokratischen USA. In BtVS werden die Schwimmer noch zusätzlich gedopt, indem sie über den Saunadampf Fisch-DNA aufnehmen. Der Trainer, Coach Martin, hat diese Idee aus alten Dokumenten der Sovjetunion. Die unglückliche Folge ist jedoch, dass sich die Schwimmer in Fischkreaturen verwandeln. Der Trainer ist so ehrgeizig und erfolgssüchtig, dass er jegliche Einsicht in die Vorgänge verliert:
Buffy: »Why?«
Coach Martin: »What kind of question is that? For the win!
To make my team the best they could be! Do you
understand we have a shot at the state championship?
... Boy, when they were handin' out school spirit,
you didn't even stand in line, did you?«
Buffy: »No, I was in the line for shred of sanity.«
Es geht um das Leistungsprinzip unserer Gesellschaft: immer höher, immer weiter, immer besser. Die Frage ist nur, welcher Mittel bedient man sich? Die Art von Coach Martin ist zumindest kein Fair-Play, besonders nicht im sportlichen Wettbewerb. Zudem manipuliert er Menschen ohne deren Bewusstsein und Zustimmung und handelt damit äußerst unmoralisch.
Eine weitere tragende Rolle kommt Oz zu. Er ist zwar kein Bösewicht aber als Werwolf doch zumindest drei Tage des Monats äußerst gefährlich und auch selbst gefährdet, denn es gibt auch Werwolf-Jäger. Das Fell des Werwolfs ist wohl recht lukrativ in Sri Lanka. In der Art und Weise, wie Buffy das moralisch verurteilt, stellt sich die Serie damit auf die Seite der Tierschützer.
Giles fasst es schön zusammen: »Werewolves .... it's one of the classics.« Er klärt uns auch über den Werewolf-Mechanismus auf. Der Vollmond beeinflusse den Menschen extrem und bringe die animalischen Triebe zum Vorschein. Der Werewolf sei die extremste Manifestation dessen und erscheine sowohl in der Nacht des Vollmonds wie in den beiden darumliegenden Nächten. Der Mensch, der zum Werwolf werde, könne sich nicht daran erinnern. Der Werewolf agiere rein instinktiv und aggressiv. Er suche die Orte auf, an dem die meisten Sexualhormone angesammelt sind, also potentiell Orte wie den Club Sunnydales, the Bronze.
Oz schöpft selbst Verdacht, als er nackt im Wald aufwacht. Sein Cousin Jordy hat ihn gebissen und wie sich herausstellt, ist Jordy ein Werwolf. Oz bringt seine Werwolf-Existenz unter Kontrolle, indem er sich an den entsprechenden Nächten einschließt. Außerdem steht ihm Willow bei.
Die Beziehung zwischen Xander und Cordelia ist um einiges konfliktbeladener als die von Oz und Willow. Sie beginnt mit dem klassischen 'Was-sich-neckt-das-liebt-sich'-Spiel. Die ersten Treffen finden noch heimlich in Abstellkammern und anderen dunklen Orten statt. In dem Moment, wo ihre Affäre öffentlich wird, wenden sich Cordelia's Freunde von ihr ab, so dass sie am Valentinstag mit Xander Schluss macht. Auch Willow ist entsetzt, als sie bemerkt, was zwischen den beiden vorgeht:
Xander: »I know it's weird....«
Willow: »Weird? It's against all the laws of God and Man!
It's Cordelia! Remember? The, the 'We Hate Cordelia'
club of which you are the treasurer.«
Xander: »Look, I was gonna tell you.«
Willow: »Gee, what stopped you? Could it be shame?«
Die Situation ist offensichtlich sehr spannungsgeladen. Willow und Xander waren immer die besten Freunde. Dementsprechend verletzt ist sie, dass sie erst so spät davon erfährt. Zudem war sie selbst lange Zeit in Xander verliebt. Dazu kommt natürlich noch die Tatsache, dass er sich gerade die versnobte Cordelia ausgesucht hat. Und der will er es nun heimzahlen. Offenbar kann er es nicht verkraften, dass sie Schluss gemacht hat, wo sie sich doch beide gar nicht leiden können wollen. Er bietet Amy - Klassenkameradin und Hexe - darum, einen Liebeszauber anzuwenden:
»The point is I want her to want me. Desperately.
So I can break up with her and subject her to the
same hell she's been puttin' me through.«
Es geht um Rache und das unangenehme Gefühl von Zurückweisung. Der Zauber, den Amy anwendet, schlägt jedoch fehl. Statt Cordelia verlieben sich nun alle anderen Mädchen in Xander, was ihn zum Freiwild macht. Die Mädchen werden total verrückt, jede will Xander haben, sie gehen mit Waffen aufeinander los und Amy verwandelt Buffy in eine Ratte. Willow will Xander gar töten, denn wenn sie ihn nicht haben kann, soll ihn auch keine andere haben. Dies ist ein erneutes Beispiel für die irrationalen Kräfte der Liebe. Sie setzt den Verstand außer Kraft während die Gefühle verrrückt spielen. Nichtsdestrotrotz geht die Sache gut aus, denn Cordelia wendet sich von ihren oberflächlichen Freunden ab, beginnt wieder Xander zu daten und wird damit ein fester Bestandteil der Scooby-Gang.
Die Liebe kann sehr verwirrend sein in der Phase der Adoleszenz. Xander fasst die vertrackte Situation folgendermaßen zusammen: »I wish dating was like slaying: you know, simple, direct, stake to the heart, no muss, no fuss.« Das Dämonische steht symbolisch für das Leben an sich: man muss einfach durch und es geht immer weiter, trotz aller Höhen und Tiefen. Die Dinge werden einfacher, je öfter man sie tut. Es ist alles eine Frage des Trainings, auch beim Dating.
Es wurde bereits erwähnt, dass Buffy als Team-Player gegen die Konventionen des Slayer-Daseins verstößt. Dies wird bei der Begegnung mit Kendra, der zweiten Jägerin, die mit Buffys Tod aktiviert wurde, verstärkt thematisiert.
Buffy: »Back off, pink ranger! This is my friend.«
Kendra: »Friend?«
Buffy: »Yeah, As in person you hang with? Amigo?«
Kendra: »I don't understood.«
Giles: »Uh, Kendra, there are a few people, uh, civilians
if you like, who, who know Buffy's identity. Willow
is one of them, and they also, um, spend time
together, uh, socially.«
Kendra: »And you allow this, sir? .. But the Slayer must work in secret for
security.«
Giles: »Of course, uh, but, uh, with Buffy, however, it's,
um, some flexibitlity is required.«
Es zeigt sich, dass das Slayer-Dasein für Kendra eine fast militärische Angelegenheit ist, die absoluten Gehorsam und Unterwerfung fordert. Sie selbst musste jeden Kontakt zu Freunden und Familie abbrechen.
Kendra: »We can return to your Watcher for our orders.«
Buffy: »I don't take orders. I do things my way.«
Kendra: »No wonder, you died.«
Giles hat es oben schon angedeutet: Buffy lässt sich nichts sagen, sie unterwirft sich keinen Autoritäten. Das macht sie zu einem Held, bzw. einer Heldin, im klassischen Sinne. Zur körperlichen Überlegenheit gesellt sich die geistige Unabhängigkeit. Bei ihr wird der Regelbruch zur Existenzgrundlage. Wo Slayer wie Kendra sich immer an die Traditionen und Regeln halten, scheut Buffy auch nicht davor zurück moderne Methoden anzuwenden und neue Wege auszuprobieren. Sie kooperiert mit Vampiren, benutzt Flammenwerfer und Elektroschocks, das Internet und arbeitet im Team. Kendra erwähnt das 'Slayer Handbook', von dem Buffy noch nie gehört hat, weil Giles es in Buffy's Fall für unbrauchbar hielt. Er hat ihren starken, unabhängigen Charakter schnell erkannt.
Kendra: »Did anyone explain to you what 'secret identity' means?«
Buffy: »Nope. Must be in the handbook. Right after the chapter
on personality removal. Be careful with that thing!«
Kendra: »Your life is very different than mine.«
Buffy: »You mean the part where I occasionally have one?«
Kendra: »Emotions are weakness, Buffy. You shouldn't entertain them.«
Buffy: »Kendra, my emotions give me power. They're total assets!«
Kendra: »Maybe. For you. But I prefer to keep an even mind.«
Buffy: »Mm. I guess that explains it. ... when we were fighting, uh,
you're amazing!Your technique, its flawless, it's, hmm, better than
mine. Still, I woulda kicked your butt in the end. And ya know why?
No imagination. ... You're good, but power alone isn't enough. A
good fighter needs to know how to improvise, to go with the
flow.«
Durch die Begegnung mit Kendra akzeptiert Buffy ihre Bestimmung einen Schritt weiter. Am Anfang überlegt sie noch, ob sie Kendra den Job nicht übergeben sollte. Doch sie wird sich zusehends bewusst, dass wie Kendra sagt: «It's who you are.» Und sie weiß, dass sie es gut macht. Es ist ein Teil ihres Lebens, es liegt ihr im Blut. Buffy akzeptiert ihre Isolation schließlich, sie kann nichts dagegen tun. Und sie entkommt ihr auch ein Stück, zumindest was die Entfernung zu ihrer Mutter betrifft. Am Ende der zweiten Staffel erzählt sie ihr, dass sie die Vampirjägerin ist. Erst jetzt wird sich das Verhältnis entspannen können. Ihre Mom reagiert jedoch mit äußerstem Unverständnis und will sie zwingen aufzuhören:
Joyce: »Well, it stops now!«
Buffy: »No, it doesn't stop! It never stops! Do you think
I chose to be like this? Do you have any idea how lonely
it is, how dangerous? I would love to be upstairs watching TV
or gossiping about boys or ... God, even studying! But I have to
save the world...again.«
Joyce: »You walk out of this house, don't even think about
coming back!«
Und so geschieht es. Buffy hat ihre Freunde in große Gefahr gebracht, sie hat Angel in dem Moment, wo er seine Seele zurückbekam, töten müssen, da nur so die Welt zu retten war und ihre Mutter hat sie verstoßen. Buffy fühlt sich leer und verlässt Sunnydale:
»The winter here is cold and bitter
It's chilled us to the bone
We haven't seen the sun for weeks
Too long, too far from home
I feel just like I'm sinking
And I claw for solid ground
I'm pulled down by the undertow
I never thought I could feel so low
And, oh, darkness
I feel like letting go
If all of the strength and all of the courage
Come an lift me from this place
I know I can love you much better than this
Full of grace.«
(Sarah McLachlan - Full of Grace; 2x22 Becoming, Pt. II)
Mittwoch, April 20, 2005
»BOY, THERE'S A DEMON FOR EVERYTHING« (Cordelia)
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