Mit Freude verfolgte ich den Artikel über das Verbot der Formel 1 in Monza. Ein Richter verhängte die Strafe wegen Ruhestörung. Er bezeichnet das ganze als "gefährlichen Luxus ohne Nutzen für die Gesellschaft, der der Umwelt sehr schadet" (Netzeitung, 18. November 2005) und wird dafür gleich als übereifriger Formel 1-Gegner diffamiert. So manchem spricht er jedoch aus der Seele. Ich habe den Sinn des Rennfahrens ohnehin noch nie verstanden. Da verheizen Männer, die offensichtlich an Testosteron-Überfluss leiden, Unmengen an Benzin, was nicht nur die Umwelt sinnlos schädigt, sondern auch einen Haufen Geld kostet, den man wirklich besser anlegen könnte. Das Ganze ist ein Paradebeispiel für die Übermacht der Wirtschaft. Die größten Konzerne der Welt nutzen dieses Spektakel für Werbung und Prestige und ohne sie wäre dieser "Sport" überhaupt nicht finanzierbar. A propos Sport, was ist eigentlich das Sportliche daran? Nicht dass sich da jemand verausgabt und bis an die Grenzen der persönlichen Leistungsfähigkeit geht. Sport bedeutet körperliche Betätigung und nicht ein Lenkrad zu drehen. Sicher, auch ein Formel 1-Fahrer muss trainiert sein, aber das Hauptelement ist das Auto, nicht der Körper.
Ganz so leicht lässt sich die Formel 1 wohl leider nicht abschaffen, die Stadtverwaltungen von Monza und Mailand werden gegen das Urteil vorgehen. Klar, das Spektakel sichert die Tourismus-Industrie, was wiederum die Wirtschaft am laufen hält. Nun, es ist traurig aber wahr: Geld regiert die Welt.
Andere Länder gehen jedoch mit gutem Beispiel voran. In der Schweiz gilt das Formel 1-Verbot seit circa 50 Jahren. Nach einem Unfall, der 80 Zuschauer mit in den Tod riss, wurden derartige Spektakel verboten. Nun soll dieses Verbot allerdings aufgehoben werden. Der hauptsächliche Grund liegt wohl in den »wirtschaftliche(n), touristische(n) und technische(n) Impulse(n)« (NZZ Online, 22. November 2005).
Falls trotzdem jemand eine Unterschriftenaktion gegen die Formel 1 plant, ich bin dabei.
Mittwoch, November 30, 2005
Die gute Nachricht des Tages
Inzest in Leipzig
Erst letztens erfuhr ich von einem aktuellen Inzest-Fall in Leipzig, der momentan für viel Aufsehen sorgt. Es handelt sich um Bruder und Schwester, die getrennt voneinander aufgewachsen waren. Als der Bruder sich auf die Suche nach seiner leiblichen Mutter begab, lernte er auch seine Schwester kennen und verliebte sich in sie. Zu dem Zeitpunkt war keinem von beiden bewusst, dass sie Geschwister sind. Sie erwiderte seine Gefühle und mittlerweile haben die beiden vier Kinder gezeugt. Nachdem öffentlich wurde, dass die beiden Geschwister sind, wurde der junge Mann bereits zweimal wegen Geschlechtsverkehrs mit seiner Schwester angeklagt und musste mehrmonatige Haftstrafen antreten. Die Schwester war noch minderjährig und damit strafunfähig. Nun wurden beide erneut verurteilt, wegen der beiden letzteren Kinder.
Nachdem ich von der Geschichte erfuhr, musste ich erst einmal meine Gedanken ordnen. Ich war zunächst schockiert, dass der junge Mann tatsächlich unter Haftstrafe gestellt wurde. Sicher, Inzest-Nachkommen haben eine höhere Wahrscheinlichkeit, dass Schäden am Erbgut von rezessiv in dominant umschlagen und damit phänotypisch in Erscheinung treten. Die biologische Notwendigkeit des Inzest-Tabus lässt sich durchaus nachvollziehen. Aber ist sie nicht obsolet? Medizinische Fortschritte erlauben es heute, genetische Abnormitäten noch vor der Geburt erkennen zu lassen und entsprechend zu handeln. Risikobelastete Eltern nutzen diese Möglichkeit bereits. Genetische Schäden können schließlich auch bei Kindern 'normaler' Eltern auftreten. Die Wahrscheinlichkeit mag geringer sein, aber ist das ausschlaggebend? Hinzu kommt, dass die Kinder des betreffenden Paares allesamt gesund sind. Zum Zeitpunkt, als sich die beiden verliebten, wusste keiner von beiden, dass sie Bruder und Schwester sind. In dieser Hinsicht kann man ihnen keinen Vorwurf machen. Beide begaben sich freiwillig in die Beziehung, so dass niemand unter Gewaltanwendung gezwungen wurde, etwas ihm Widerstrebendes zu tun. Auch haben wir die 68er lange hinter uns, das Prinzip der freien Liebe klingt noch in unseren Köpfen nach. Alles in allem schaden die beiden niemandem und das führt dazu, dass dieses Urteil so absurd wirkt. Geschädigt fühlen sich lediglich diejenigen, die sich in ihrem moralischen Empfinden verletzt fühlen. Das rührt schlicht und einfach daher, dass das Inzest-Tabu tief in uns verankert ist. Vermutlich ist jeder zunächst irritiert, wie er sich zu der Sache stellen soll. Wir wissen, dass Inzest verboten ist. Das macht auch Sinn, wenn sich ältere Familienmitglieder an jüngeren vergreifen. Doch dies ist in den meisten Fällen in erster Linie eine Vergewaltigung und damit grundsätzlich und zu Recht strafbar. Im vorliegenden Fall geht es jedoch um zwei Menschen, die sich lieben und sich freiwillig zu diesem Schritt entschlossen haben. Ihnen ihr Glück zu verwehren und eine womöglich intakte Familie aufgrund alteingessener, überholter Moralvorstellungen zu zerstören, halte ich für falsch. Nun will ich nicht verschweigen, dass die beiden aus schwierigen und instabilen Verhältnissen kommen, aber das heißt noch lange nicht, dass ihnen jegliche Chancen verwehrt werden dürfen. Vielleicht sind sie aufgrund ihrer Erfahrungen gerade in der Lage, ihren Kindern ein besseres Ambiente zu bieten.
Das Absurde in diesem Prozess wurde auch von der Verteidigung immer wieder vorgeführt. So lautet die Anklage auf Geschlechtsverkehr zwischen den beiden, die Zeugung von vier Kindern zwischen Geschwistern ist nicht strafbar. Im umgekehrten Fall wäre das Gesetz noch nahvollziehbar, vielleicht sogar sinnvoll. Die Liebe zwischen Bruder und Schwester zu verbieten halte ich jedoch für falsch. So etwas kann man nicht verbieten, ganz abgesehen davon, dass es in der Kulturgeschichte zahlreiche Vorfälle dieser Art gibt, die zudem idyllisch verklärt und romantisiert werden. Aber zurück zu den Argumenten der Verteidigung: Geschlechtsverkehr zwischen zwei Brüdern bzw. zwei Schwestern sei genauso wenig strafbar. Lächerlich auch die Tatsache, dass den beiden mindestens 16 Verstöße gegen den entsprechenden Paragrafen zur Last gelegt werden. Wer prüft das denn bitte nach (mit Ausnahme der vier Kinderzeugungen natürlich)?
Jeder soll tun, was er will, solange es niemandem schadet. Diese Maxime wurde bereits 1859 von John Stuart Mill (On Liberty) verteidigt. Er lebte jedoch in einem moralisch äußerst streng reglementierten England. Man sollte denken, wir hätten das hinter uns. Zudem gibt es zahlreiche andere Länder, z.B. Frankreich, in denen Inzest nicht unter Strafe steht. Zahlreiche Dynastien und Kulturen sicherten ihre Herrschaft durch innerfamiliäre Hochzeiten und die wenigsten litten unter genetischen Defekten. Das Besondere in diesem Fall ist, dass es im Grunde kein Verbrechen gibt. Niemand wurde geschädigt. Ausgenommen die öffentliche Moral, denn zu deren Schutz besteht vermutlich das Gesetz, das Inzest verbietet. Rational erklärbar ist dieses Gesetz nicht, weswegen es andere Länder wohl bereits fallen gelassen haben. Der Verteidiger der beiden will nun vor das Bundesverfassungsgericht ziehen. Bleibt zu hoffen, dass sich dieses toleranter zeigt. Die Frage ist nun, ob das Inzesttabu überholt ist. Wenn die genetische Gefahr tatsächlich ausgeschlossen werden kann (seriöse Informationen dazu sind erwünscht) halte ich zumindest das Geschwister-Inzesttabu für unhaltbar. Besonders in einem Fall wie diesem, in dem beide getrennt voneinander aufgewachsen waren und zunächst nichts von ihrer Verwandtschaft wussten. Die Liebe auf Knopfdruck abzustellen, ist unmöglich. Bei allen anderen Inzestarten, also denen zwischen verschiedenen Generationen, hängt das Inzesttabu leider allzuoft mit dem Tabu der Vergewaltigung zusammen. Die Frage ist jedoch, ob nicht auch dieses fallen gelassen werden sollte, denn es schützt in erster Linie den Täter, nicht das Opfer.
Donnerstag, November 24, 2005
H., der Mörder
H. kam in mein Haus, wir hatten Sex, wie in den guten alten Zeiten, und er sagte mir, dass er mich liebt, was ich sehr eigenartig fand. So nahe waren wir uns eigentlich nie. Wir hingen rum, ein Auto fuhr auf der Straße vor. H. ging ans Fenster, schob die Gardine beiseite, guckte hinunter und rannte urplötzlich davon. Ich guckte auch hinunter, da war ein grüner Polizeiwagen, auf dem 'Policia' stand. Offensichtlich die spanische Polizei. Ich wusste, dass H. gerade aus Spanien gekommen war. Offensichtlich hat er dort etwas verbrochen, was mich nicht wirklich wunderte. Instinktiv weiss ich, dass er jemanden umgebracht hat. Ich bleibe ruhig, kann ihm nicht böse sein, weil ich weiss, dass er niemandem schaden könnte. Es muss ein Unfall gewesen sein. Diese Gedanken liefen mir durch den Kopf. Plötzlich fiel mir auf, dass ich unmöglich allein mit dem Polizisten sprechen kann. Ich würde ihn anlügen müssen oder H. verraten. Beides konnte und wollte ich nicht tun. Also suchte ich meine Oma, die er sicher auch befragen würde und die es ihm natürlich aus moralischen Gründen erzählen würde. Ich setzte mich zu ihr, da kam auch schon der Polizist. Eigenartigerweise war er Deutscher, kein Spanier. Er sprach zunächst mit meiner Oma, wohl wegen meines feindseligen und nicht mitteilungsfreudigen Blickes. Oma erzählt ihm, dass er hier gewesen war. Sie wusste nicht wie lange, er war ja die meiste Zeit oben bei mir gewesen. Es fühlte sich an wie einige Tage. Ich guckte weiter verächtlich und gab mich unkooperativ. Der Polizist durchsuchte das Haus, fand ihn nicht, und fuhr weg. Jetzt begannen sich meine Gedanken wie wild zu drehen. Ich begab mich auf die Suche nach H. Ich lief allein durch die Stadt, es wurde dunkel. Plötzlich bekam ich Angst. Was, wenn H. schizophren ist oder eine Psychose hat und auch mich umbringt, wenn er mich hier sieht? Im Grunde gab es dafür keine Anzeichen. Aber es wäre eine mögliche Erklärung für seine Tat. Ich wusste, er ist kein Verdächtiger, er war es. Nur die Umstände waren mir nicht klar. Ich fand ihn nicht und ging heim. Dort wartete ein kleiner Junge. Ich hatte keine Ahnung, was der nun wollte. Die anderen wiesen mich darauf hin, dass er als Bote fungiere. Er brachte mich zu H. Der war gut getarnt. Typisch H., so ein Kindskopp, kann eigentlich nie ernst sein. Er hat sich als Busch innerhalb eines Busches getarnt. Aber richtig gut, mir fiel er erst auf den zweiten Blick auf. Ich kann mich nicht erinnern, was er mir erzählte. Wir küssten uns eine Weile, das ist alles was ich noch weiß. Dann kam das Signal.

