Den sorgfältig rasierten Wangen war bläulich schimmernder Reispuder aufgelegt, der mit dem warmen roten Ton der Backenknochen kontrastierte. Seine Kleidung war peinlich sauber und korrekt und trug eine gewollt englische Einfachheit zur Schau, so als wolle er sich von jener Art Künstler abheben, die mit weichen Filzhüten, Samtjacken oder roten Joppen, mit üppigem Vollbart und zerzauster Mähne herumlaufen. Seine einfache Aufmachung war weder übertrieben neu noch sonst gewollt auffällig. Charles Baudelaire war einer jener schlichten Dandys, die ihre Kleidungsstücke abschmirgeln, um ihnen den Glanz des Sonnenstaates und des Funkelnagelneuen zu nehmen, den der Spießbürger liebt, und der wirkliche Mann von Welt verabscheut.
Im Gegensatz zu dem nachlässigen Benehmen der Künstler legte Baudelaire Wert darauf, sich streng an das Schickliche zu halten. Er übertrieb die Höflichkeit so sehr, dass sein Auftreten geradezu geschraubt wirkte. Er sprach gemessen, drückte sich äußerst gewählt aus und sagte gewisse Worte auf eine ganz eigene Art, so als ob er sie hervorheben, ja ihnen geradezu eine geheimnisvolle Bedeutung geben wollte.
Auf ganz einfache Art, durchaus natürlich und völlig ungezwungen, so als ob er wichtigtuerisch etwas ganz Banales über die Schönheit oder über das schlechte Wetter sagte, machte er irgendeine ungeheuerliche, teuflische Bemerkung oder stellte mit Eiseskälte eine extravagante, aber mathematische genaue Theorie auf.
Er dachte weder in Worten noch in Beziehungen; er sah die Dinge vielmehr von einem besonderen Standpunkt. So stellte er Gedankenverbindungen her, die für andere unverständlich waren, und deren bizarre Logik frappierte.
Englische Kühle war eher nach seinem Geschmack. Man kann von ihm sagen, er sei ein Dandy gewesen, der sich in die Bohème verirrt, dort aber seinen Rang, seine Manieren und den Kult der eigenen Person bewahrt hat, welcher einen in den Prinzipien eines Brummel verhafteten Menschen charakterisiert.
Er liebte das, was man unzutreffend den dekadenten Stil nennt. Dieser dekadente Stil ist die letzte Stufe der Sprache und dazu bestimmt, alles vorbehaltlos bis zum äußersten zu sagen. Er drückt neue Ideen in neuen Formen und mit Worten aus, die noch niemand gehört hat. Im Gegensatz zum klassischen Stil macht er Gebrauch von Schatten.
Baudelaire verabscheute die Philanthropen, die Fortschrittler, die Utilitarier, die Wohltätigkeitsapostel, die Utopisten, kurz alle diejenigen, die sich zum Ziel gesetzt haben, etwas an der unwandelbaren Natur und der schicksalshaften Ordnung der menschlichen Gesellschaft zu ändern.
Er hasste das Böse als ein Abweichen von der Norm und von der Regel und als perfekter Gentleman verachtete er es als unziemlich, lächerlich, bürgerlich und insbesondere als unsauber.
Aus: Baudelaire über Gautier. Gautier über Baudelaire. Eine Dichterfreundschaft. Holger Hamecher, Kassel, 1983. Übersetzt von Heinrich Mattutat.
Sonntag, September 03, 2006
DANDY*O*RAMA .-. Charles Baudelaire
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