Vor der Bühne entspannte und posierte ein junger merveilleux, mit Nonchalance ein mit Gold emailliertes Binokel schwenkend, ohne sich im Geringsten darum zu kümmern, dass alle Operngläser auf ihn gerichtet waren.
Seine Haltung war unglaublich exzentrisch und gesucht. Ein Frack von einzigartigem Schnitt, gewagt nachlässig und mit Velours gefüttert, ließ eine Weste von eklatanter Farbe durchschimmern, die nach Art eines Wamses tailliert war; eine schwarze, hautenge Hose zeichnete seine Hüftknochen exakt ab; eine Goldkette, einem Ritterorden ähnelnd, schillerte auf seiner Brust; sein Kopf entsprang unmittelbar seiner Satinkrawatte, ohne das weiße Paspel, unerlässlich in dieser Epoche.
Man hätte ihn für ein Porträt von François Porbus halten können. Die Haare rasiert wie bei Henri III., der Vollbart, die gegen die Schläfen gekämmten Brauen, die lange und weiße Hand mit einem großen, gotisch verzierten Siegelring, nichts fehlte, die Illusion war perfekt.
Nach langem Zögern - so sehr diese Aufmachung ihm eine andere, als die ihm bisher bekannte Physionomie gab - verstand Daniel Jovard, dass dieser junge fashionable Mann niemand anderes als Ferdinand von C*** war, mit dem er auf die Schule gegangen war.
Obwohl es elf Uhr war, war Ferdinand nicht aufgestanden, was unseren einfältigen jungen Mann unendlich erstaunte. Während er auf ihn wartete, inspizierte er die Möbel. Es waren Louis XIII. Möbel von bizarrer Form, Kannen aus Japan, gerankte Wandteppiche, fremde Waffen, fantastische Aquarelle, die Sabbatrunden und Szenen aus Faust darstellten und Unendlichkeiten unpassender Dingen, deren Existenz Daniel Jovard niemals vermutet hätte und deren Gebrauch er nicht erraten konnte; Dolche, Pfeifen, Wasserpfeifen, Tabaksbeutel und tausend andere Komödien; denn Daniel glaubte fromm, dass Dolche in dieser Epoche von der Polizei verboten waren und dass nur Seefahrer rauchen konnten, ohne sich zu kompromittieren. Man ließ ihn eintreten. Ferdinand war in einem Hauskleid aus antikem Lampas gekleidet, das mit Drachen und Tee trinkenden Mandarins bemustert war. Seine Füße, von Pantoffeln mit bestickten barocken Zeichnungen beschuht, waren auf das weiße Marmor des Kamins gestellt, so dass er fast auf dem Kopf saß. Er rauchte lässig eine kleine spanische Zigarette. Nachdem er seinem Kameraden einen Händedruck gegeben hatte, nahm er einige Halme eines blonden und goldenen Tabaks, der sich in einer Lackdose befand, umhüllte sie mit einem Blatt Papier, das er seinem Heft entriss und gab das ganze dem arglosen Daniel, der sich nicht zu weigern wagte.
Aus: Théophile Gautier: "Daniel Jovard." In: Ders.: Les Jeunes-France. Romans goguenards. Suivis de Contes Humoristiques Paris: Charpentier, 1880. Übersetzung: Melanie Grundmann
Dienstag, Oktober 03, 2006
DANDY*O*RAMA .-. Ferdinand von C*** (Théophile Gautier)
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Dandy
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