Samstag, April 21, 2007

Moderne Dandies #1

Eigentlich gibt es heute keine Dandies mehr, da schlicht und einfach die historischen Rahmenbedingungen fehlen. Was es jedoch gibt, sind Männer, die spezifische Züge und Verhaltensweisen des Dandys annehmen und infolgedessen, insbesondere von den Medien, die den Begriff oftmals recht oberflächlich verwenden, als Dandies bezeichnet werden. An dieser Stelle sollen derartige Exemplare einmal betrachtet werden:

1. Klaus Seifert, ein Buchhändler aus Hamburg, wird vom Hamburger Abendblatt als Dandy bezeichnet, weil er »wusste, wie man gut lebte.«

2. Rocko Schamoni ist, laut TAZ, ebenfalls ein Dandy, leider wird nicht weiter erklärt, wieso.

3. Andrzej Wirth,»Dandy und Maestro«, »der polnisch-amerikanische Gelehrte und Charlottenburger Grandseigneur«, laut Tagesspiegel auch ein Dandy. Er, heute 80, sei ein »philosophisch-artistisch alle Grenzen und Genres überschreitender Erfinder und Ergründer von der Prämoderne bis zur Postmoderne«, ein »schlanker schlendernder Herrn, mit weißem Schal und weichem Schlapphut auf der Straße und im Salon« der »noch immer viel mehr ist als nur, neben Nicolas Sombart, Berlins wohl letzter Dandy.« Hier wird zumindest die Intellektualität des Dandys und seine Vorliebe für Kunst und Ästhetik deutlich, wenngleich die Tatsache, dass diese Züge vielmehr als Zubrot denn als grundlegende Eigenschaft des Dandys dargestellt werden, deutlich darauf hinweisen, dass der Dandy hier recht oberflächlich als wandelnder Kleiderständer definiert wird.

4. Ganz beliebt als Dandy ist Bryan Ferry, häufig auch als Pop-Dandy, oder sogar als Vorzeige-Dandy der Popmusik, bezeichnet. Gewagte Aussprüche, wie man sie von einem Dandy erwartet, fand man bei ihm zuletzt, als er seiner Begeisterung für Leni Riefenstahl und Albert Speer öffentlich bekannt machte. Der allgemeine Konsens verurteilt Nazi-Kunst, aber der Dandy betrachtet Kunst von jeher einzig aus ästhetischer Perspektive, frei von moralischer Wertung. Das rief vor hundertfünfzig Jahren schon Entsetzen hervor, und so muss auch Bryan Ferry nach heftiger Kritik seine Aussagen nachträglich rechtfertigen.
Was seine Bühnenauftritte betrifft, so pflegt der »stilüberbewusste Vorzeige-Dandy« das Ideal: es gibt keine Zugaben, »Ein wahrer Dandy weiß nun einmal, wann es Zeit ist zu gehen.«

5. Ganz überraschend dagegen ist die Nachricht, dass Kim Frank, ehemaliger Sänger der Band Echt, ein Dandy sein soll - doch auch hier leider keine weitere Erläuterung, was diesen Herren zum Dandy macht.

6. Franz Novotny, der Wiener Regisseur und Produzent, ist ein »ewiger Dandy« voller Ästhetik und mit Liebe zum Skandal.

7. Auch schon öfter gehört: Jarvis Cocker ist ein Dandy, bzw. »Wahlpariser und Neo-Dandy«. Was ihn zum Dandy macht, dürfte sich in zukünftigen Artikeln offenbaren.

8. Noch ein Theatermann unter den Dandies ist Hans Neuenfels, »der Dandy unter den Elite-Regisseuren«. Auch dieser Mann ist skandalträchtig, man erinnere sich an die Opernaffäre. Dazu kommt das »elegante Understatement und jungenhafte Schlaksigkeit«, was irgendwie zum Dandy passt.